Amsterdam

Von Maya Arad Yasur
Übersetzung: Matthias Naumann

Regie Josua Rösing

Ausstattung Michael Lindner

Musik Thies Mynther

Dramaturgie Lena Carle

 

Darsteller*innen Jennifer Böhm, Rudi Hindenburg, Ksch. Almuth Schmidt

 

Amsterdam: liberal, kosmopolitisch, angesagt. Menschen aus aller Welt und ihre Geschichten treffen hier aufeinander und mittendrin lebt eine israelische Komponistin, die eines Morgens eine unbezahlte Gasrechnung vor ihrer Haustür findet. Und zwar eine aus dem Jahr 1944. Was hat es damit auf sich? Sie begibt sich auf Spurensuche und stößt dabei auf düstere Ereignisse aus der Vergangenheit, die sich während des Zweiten Weltkrieges in ihrem Wohnhaus zugetragen haben. Gleichzeitig wird  sie selbst in ihrer vermeintlich so weltoffenen Umgebung immer stärker mit ihrem Selbstbild als Jüdin, mit Vorurteilen und Stereotypen konfrontiert. 

Leichtfüßig und tiefgründig lässt die junge israelische Autorin die Zuschauer*innen in eine packende Geschichte eintauchen, in der die Schatten der Vergangenheit immer weiter in die Gegenwart hineinwachsen. Das 2018 mit dem Ersten Preis beim Stückemarkt des Berliner Theatertreffens ausgezeichnete Stück ist auf der einen Seite ein faszinierender Krimi und stellt auf der anderen Seite Fragen nach der Aufarbeitung von Geschichte, nach Erinnerungskultur heute und nach deren  Auswirkung auf die eigene Identität.

 

 

Pressestimmen

Verstörend intensiv (18.09.2019)

Verstörend intensiv vermittelt sich im Umgang mit Sprache und Geschichte ein Gefühl für die Hypothek, die der Holocaust den Nachgeborenen in Israel und der jüdischen Diaspora aufgebürdet hat. Für die Bilder, die sich daran klammern. Und für den Rassismus, der aus einem kleinen boshaften Gedanken wachsen kann: »Sie denkt, dass er denkt, dass sie ihm den Platz in der Schlange (an der Kasse) wegnimmt.« Vorläufer für den Gedanken, dass sie zu jenen gehört, die den anderen die Steuergelder »wegschlürfen«. Zur Tat ist es von da nicht mehr weit. Konstruktion und Rekonstruktion fließen in Erinnerungen, Wahrnehmungen, Lesarten ineinander. Dabei behalten die Schauspieler stets den Blick von außen, schlüpfen höchstens momentweise in die Rolle der erzählten Figur.

Kieler Nachrichten - Ruth Bender

 

Theaterhandwerk vom Feinsten (01.12.2019)

Jennifer Böhm, Rudi Hindenburg und Almuth Schmidt geben höchst viril die Kreateure beim Brainstorming ihrer Storyline. [...] Fix fallen Entscheidungen, den roten Faden mal vorwärts, mal rückwärts auf dem Zeitstrahl fortzuspinnen. Der Zuschauer wohnt der allmählichen Verfertigung eines möglichen Dramas beim Reden darüber bei – eine trickreiche Konstruktion ist dieses Gedankenblitze-Ping-Pong. Regisseur Josua Rösing lässt sich konzentriert darauf ein. Die Darsteller schlüpfen meist nur sehr kurz in die gerade erfundenen Rollen. Spielbestimmend ist der Drehbuch-Workshop-Gestus vor einer quer über die Bühne verlaufenden Holzwand. Beim Eintreffen der Gasrechnung wird sie erstmals durchbrochen, Planken werden sanft entfernt oder später brutal herausgeschlagen. Die Mauer des Vergessens, die Sichtblende vor der Vergangenheit wird löchrig, der Raum hinter dem Firnis der toleranten westlichen Zivilisation einsehbar. Die anspielungsreiche Uneindeutigkeit des Textes, das gute Timing der Regie und die nie nachlassende Erzählspannung des Sprachkonzerts sind die Trümpfe der Inszenierung, die den ernsten aktuellen Themen sogar Humor abgewinnt. Theaterhandwerk vom Feinsten.

Theater der Zeit - Jens Fischer

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